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 Betreff des Beitrags: Placebo 2010
BeitragVerfasst: 11. Mai 2010, 08:26 
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Ich möchte gerne über die Veränderungen der Band sprechen. Wie hat sich Placebo in den letzten 14 Jahren entwickelt? Was hat früher ihre Musik ausgemacht, und was heute?

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 Betreff des Beitrags: Re: Placebo 2010
BeitragVerfasst: 13. Mai 2010, 13:15 
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Das ist natürlich kein Thema, das man in wenigen Worten beantworten kann. Also man kann es wahrscheinlich schon, aber dann würde man wichtige Dinge wahrscheinlich raus lassen.

Wie haben sich Placebo verändert…

Placebo bestanden schon immer, meiner Meinung nach, aus 2 „wichtigen“ Dingen.
1.: Das Auftreten, die Attitüde und die Provokation
2.: Die Art und Weise, wie die Musik mit ihrem Auftreten zusammenspielt(e)

Brian und Stefan haben immer Kleider getragen, haben damit für Schlagzeilen gesorgt, hatten provokative Auftritte, bei denen vor allem Brian betrunken oder auf Drogen war und dazu kam dann ihre Musik. Die Musik alleine wäre wahrscheinlich nie im Leben so auf Kritik gestoßen, wenn Placebo ausgesehen hätten wie… Schlagersänger oder so. Ich finde sogar manchmal dass sie eine Art „Kunststück“ sind. Da passt ein Element zu anderen und das eine kann nicht ohne das andere.
Sie sind wie ein Puzzle.
Das hat sich vor allem auf den ersten Beiden Alben so fortgeführt, Provokation, Melancholie und Drogen. Dazu Kleidung und fragwürdige Auftritte, bei denen Brian lallend bei Rock am Ring ein Interview gegeben hat (nur ein Beispiel.).
Natürlich kannte ich sie während dieser Zeit noch nicht und kann deswegen nur das so sagen wie ich es nachträglich mitbekomme. Fans aus dieser Zeit sehen das vielleicht anders als ich, aber ich sage ja auch nicht dass ich hier allgemeingültig schreibe.

Dann mit den nächsten Alben, die sie veröffentlich haben, blieben sie ihrem „Placebo- Stil“ treu und haben sich gleichzeitig weiterentwickelt. Weg von der wimmernden Tröte, hin zu etwas… „vernünftigerer“ Musik mit anderen „Werten“ könnte man fast sagen. Das bedeutet nicht dass ich den vorgehenden Alben falsche Werte zuweise, ich fand sie sogar sehr tiefsinnig aber ich merke auch selbst dass mit diese Songs teilweise nicht mehr direkt ansprechen, weil ich mich auch weiterentwickelt habe.

Sie haben sich an anderen Musikstilen bedient, haben Hip- Hop und Elektronik Einflüsse in ihrer Musik. Und sie haben es noch immer als ihre eigene Musik verkaufen können, es klang/klingt keineswegs fremd und doch einzigartig.
Ich habe selten das Gefühl „Oh, das kenne ich aber schon, das klingt nach dem und dem Lied“.

Dann kommt Meds und somit die erste Albumveröffentlichung von Placebo der ich entgegengefiebert habe.
Dann lief Song to Say Goodbye im TV und ich dachte „Scheiße.“.
Warum das so war, weiß ich nicht. Ich war sehr enttäuscht. Ich hatte mit allem gerechnet nur nicht mit dieser Musik.
Ich hatte mit einer weiteren Entwicklung gerechnet, vielleicht fand sie auch statt, aber ich finde Meds in der Reihe von Alben ist das… „schwächste“ was die musikalische Entwicklung angeht. Es kam immer etwas anderes und neues.
Klar gibt es das auch auf dem Album, doch nicht so prägnant wie auf den Alben davor.
Was ich hier schlimm fand, war dass sie „Nancy Boy“ für tot erklärten und dann angefangen haben das Lied wieder zu spielen. Brian und Stefan haben sich auf der Bühne geküsst und ich war ziemlich…“sauer“ weil das alles nicht gepasst hat. Nicht musikalisch oder so nicht gepasst, aber die Aussagen haben sich widersprochen.
„Wir wollen „Back To the Roots“ aber wir deklarieren Nancy Boy’s Tod.“
Ehm… okay.
Vielleicht sahen sie in Nancy Boy das nicht ernst genommen zu werden, aber das hätten sie… anders machen können.
Irgendwie. Ich weiß nicht wie, aber ich war, wenn ich das alles so im Nachhinein, ohne Euphorie sehe, ziemlich angesickt von ihren Aussagen und Interviews.
Es sah vieles gespielt aus. Und mein Papa meinte zu dieser Zeit: „Und sie sind doch ein Produkt der Plattenfirma.“

Und dann ging alles sehr schnell. Die Project Revolution Tour wurde begleitet von hin und wieder launigen Aussagen (siehe das Myspace Konzert), es wurde oftmals gesagt, sie bräuchten eine Pause, dringend. Sonst passiert etwas. Brian sieht nicht gut aus, sie sollen sich eine Ruhepause gönnen.
Und dann kam der Rauswurf von Steven, der einigen Interviews nach, bereits überfällig gewesen war.
Dann wurde gesagt, dass sie seit beginn des Jahres 2007 daran arbeiten ihn rauszuwerfen, Gerüchte wurden laut.
Brian und Stefan reden nur noch über Mr. Hewitt und es wird klar dass über längere Zeit hinweg einiges schief gelaufen ist.
Er soll zu viel mit Drogen experimentiert und auch das ein oder andere Mädchen gehabt haben.
Was davon wahr ist weiß ich nicht und ich will es nicht wissen.
Jedenfalls sind die zwei übrig gebliebenen in dieser Zeit wieder stark in Richtung anfang ihrer Karriere zurückgerutscht, was ihre Interviews anging.
Sie haben sich ja ganz nett gegeben, aber vor allem Brian wirkte sehr herablassend und arrogant, was auch schön in einer Musikzeitschrift am Ende des Interviews als vermerk geschrieben wurde.

Jedenfalls war die Placebofamilie, von der Brian immer gesagt hatte dass er sie immer zusammenhalten würde, kaputt.
Es wurde still und niemand wusste wie es weitergeht.

Und auf einmal trat da ein „Ochsenknecht- Klon“ vor die Kameras und wurde von vielen- mir inkl.- erstmal belächelt. Niemand dachte dass sie wirklich ein so gutes Team werden würden.
Das Aussehen, das Alter. Vor allem der Musikstil.

Und genau das hat meiner Meinung nach zu der riesen Entwicklung geführt, die sich in dieser Zeit abgespielt hat.
Sie haben sich vom EMI getrennt, haben das Album ohne Plattenfirma aufgenommen und kamen dann mit Battle For The Sun um die Ecke.
Meiner Meinung nach mit das Bedeutendste Album was sie herausgebracht haben.

Sie sind mit dem wirklich jungen Steven, der quasi in unserem Alter ist, erwachsener geworden, haben keine größeren Ausfälle und tragen Dinge nicht so sehr nach außen.

Meiner Meinung nach haben sie sich von einer versexten „Teenage Angst“- Band zu einer noch selbstkritischeren Band entwickelt, die sich selbst nicht zu ernst nimmt (wobei man nie weiß ob sie das je getan haben…) entickelt. Sie hatten zwischendurch einige Rückfälle auf dem Weg dahin wo sie jetzt sind, aber sie sind auch nur Menschen und Menschen haben Fehler.


Zusammenfassend würde ich sagen, dass sie der Entwicklung eines Menschen ähneln. Am Anfang wird alles hinterfragt, die Triebe werden ausgelebt und dann mit dem Weg in Richtung Pubertät versucht man erwachsen zu klingen, schafft es aber nicht, weil immer wieder dieses kleine Triebgesteuerte Es hervor kommt und eine lange Nase dreht. Und am Ende konnte man dann doch alles unter einen Hut bringen und macht aus
„Now nothing ever ever goes my way“ ein „you are a cheap and nasty fake and I am the bones you couldn’t break.”


So, ob man meine Gedankengänge nachvollziehen kann und ob es eine „okaye“ Antwort auf deine Frage war bleibt euch überlassen.
Es ist mir „schwer“ gefallen die Frage zu beantworten, ich habe es aber versucht.
Ich möchte gerne noch einmal klarstellen, dass alles was hier steht auf meinen Eindrücken beruht und jeder das anders wahrnimmt. Ich bin gespannt wer von euch noch etwas dazu sagt?

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 Betreff des Beitrags: Re: Placebo 2010
BeitragVerfasst: 14. Mai 2010, 12:16 
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Okay... ich denke schon eine Weile lang darüber nach, was ich zu diesem Thema schreiben könnte und jetzt hast du das bereits getan. Vieles wenn nicht sogar fast alles davon könnte ich glatt unterschreiben. Treffend ausgedrückt und manches davon wäre mir gar nicht in den Sinn gekommen.
Ich werde mich wohl noch mal hinsetzen und darüber nachdenken, wie ich das alles empfinde. Aber gerade kann man mir da wohl kein zurechnungsfähiges Wort abgewinnen. Ich stecke in Konzert-Vorfreude-Nervosität etc ...
Ich versuch's, sobald ich wieder runter gekommen bin. :lol:

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 Betreff des Beitrags: Re: Placebo 2010
BeitragVerfasst: 14. Mai 2010, 14:43 
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:mrgreen:
Ich muss auch lange drüber nachdenken, deswegen hab ich auch in meinem ersten Post nicht sofort was geschrieben.
Ich kann vieles von sc unterchreiben, will aber trotzdem nochmal aus meiner Sicht erzählen.
Für mich gibt es drei verschiedene Bands, die aber alle Placebo heißen. Drei verschiedene Abschnitte. Einmal der Abschnitt Placebo-Sleeping With Ghosts. Das war ehrliche Musik. Immer wieder anders, jedes Album hat einen eigenen Grundton. Placebo waren einfach Placebo, voller Drogen und Alkohol und Arschlochgehabe.
Meds war scheiße. Einfach nur scheiße. Ich hab mich auch drauf gefreut, und es war auch für mich das erste Placeboalbum, auf welches ich gewartet hab und im Nachhinein ists Enttäuschung. Man merkt, dass die kurz vom Ende waren. Meds war gespielt und das angeblich düsterste Album, das war es auch, für mich aber vor Allem deswegen, weil es so enttäuschend war.
Battle For The Sun ist der Neuanfang und das nicht nur für Placebo, auch für mich, weil es mir auf Hoffnung gegeben hat. Aber das ist ja ein anderes Thema :mrgreen:
Und vergleiche ich die Konzerte zur Meds Zeit und die Konzerte jetzt, liegen für mich Welten dazwischen. Placebo haben sich gesteigert. Leider sind sie jetzt auch ziemlich Mainstream geworden, was ich für sie zwar toll, für mich aber schade finde, denn ich mag nunmal keine 10000 Menschen Hallen :mrgreen:

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 Betreff des Beitrags: Re: Placebo 2010
BeitragVerfasst: 14. Mai 2010, 15:42 
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@Soulmate: definiere Mainstream^^
Ich glaube Placebo sind nicht mainstream, radios etc haben sich nur auf Musik wie eben die von Placebo eingestellt. Wenn man viel radio hört, bekommt man mittlerweile sogar viel von The used, My Chemical Romance, Depeche Mode, The Smiths etc vorgelegt.
Auch alte Sachen von Papa Roach und Nirvana ets verden mittlerweile immer öfter gespielt.
Ich glaube einfach, dass sich die Zeit ändert in der wir Leben, deswegen gelten Placebo für viele als "Mainstream". Dabei haben sich nicht Placebo zum Mainstream verändert, sondern der Mainstream ist Alternative.

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 Betreff des Beitrags: Re: Placebo 2010
BeitragVerfasst: 30. August 2010, 09:52 
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Schwere Frage, deshalb versuche ich sie mal zu beantworten.
Die Band hat für mich inzwischen eine völlig andere Bedeutung, als noch vor knapp Neun oder Zehn Jahren. Man wird erwachsen, verändert sich sehr stark. Damals hat mir die Band durch eine sehr schwere Zeit geholfen. Das war vor fast sechs Jahren. Depressionen etc. Sie gaben mir Hoffnung. Ich fing an, jede Aktivität der Band zu beobachten etc.
Auch mir fiel das Verhalten von Brian auf, es war arrogant, überheblich und hatte nichts mehr mit dem Brian zutun, den ich mochte. Ich mochte ihn, weil er anders war. Placebo waren anders. Sie hatten in meinen Augen auch das Künstlerische verloren, was sie ausmachte. Sie waren einzigartige Künstler. Inzwischen sind sie es wieder. Die Band hatte sich in meinen Augen irgendwie verloren und es musste etwas passieren, dass sie wieder zueinander finden würden. Steve ging und Steve kam. Ich hatte den Kleinen belächelt. Aber er scheint sich gut einzufinden. Ein neuer, frischer Wind. Er scheint für Brian und Stef eine Art kleiner Bruder zu sein, den sie gerne ärgern.
Placebo habe ich leider noch nie Live gesehen, weil immer irgendetwas dazwischen kam. Es ärgert mich schon, aber es wird schon irgendwie passieren.
Bisher habe ich mich auf jedes Album gefreut. Meds ist für mich persönlich gar nicht mal so schlecht. Ich mag alles´.
Battle for the sun spiegelt alleine schon im Titel einen Neuanfang wieder. Alles ist neu auf dem Album, der Sound ist immer noch Placebo, aber eine neue PF, neuer Schlagzeuger auch ein neues Selbstbewusstsein treten hervor. Gut so. Was wäre der Mensch ohne Veränderung?
Damals, als ich die Krise meines Lebens hatte, haben sie mir geholfen. Ich war gerade einmal 20 und nun bin ich 26 und Selbsbewusster geworden. In mir ist eine Veränderung vorgegangen, die positiv ist.
Manche Dinge bleiben, andere Dinge verblassen. Placebo haben sich weiter entwickelt, genauso wie sich die Fans weiterentwickelt haben. Man wird reifer und ob man sich es nun eingestehen will, oder nicht, auch erwachsen. Das mussten die Bandmitglieder alle erfahren. Einer wird es von ihnen noch erfahren.
Du kannst nicht immer nur Jung bleiben und auf einer Stelle treten. Du entwickelst dich weiter. Du stellst fest, um etwas neues zu Beginnen, musst du dich auch von vielen Sachen trennen, weil es keinen Sinn mehr ergibt.

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 Betreff des Beitrags: Re: Placebo 2010
BeitragVerfasst: 30. August 2010, 16:17 
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Ich habe zwar immer noch nichts hierzu geschrieben, weil es mir schwer fiel, die richtigen Worte zu finden, um das auszudrücken, was ich eigentlich meine...
Aber Black_Angel hat das ja jetzt getan und ich kann fast alles nur unterstützen. Eine Band verändert sich im Laufe der Jahre, genauso wie alle anderen auch. Ich empfinde das nicht als etwas Negatives, sondern als... natürlicher Lauf der Dinge. Man kann nicht genau so sein wie noch vor 10 Jahren, denn dann würde es irgendwann an Authentik verlieren.
Mir persönlich gefallen alle Alben und in meinen Ohren klingen sie alle unterschiedlich. Aber alle davon sind für mich Placebo und irgendetwas in ihnen, ein gewisser Stil, ein gewisses Etwas, das ich nicht wirklich beschreiben kann, ist immer gleich geblieben. Das ist für mich das Wichtige.

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